Deep Work in einer Welt voller Ablenkungen

Wir leben in einer Welt, die uns um jeden Preis ablenken will. Apps verschlingen unsere Feierabendstunden, sie sind darauf programmiert, unsere Aufmerksamkeitsspanne zu verkürzen und unsere Ruhezeiten zu übernehmen. Auch unsere Arbeitsplätze sind immer häufiger so gestaltet, dass jeder Konzentrationsmarathon unterbrochen wird. Co-Working-Spaces mit beweglichen Möbeln rauben uns die Fähigkeit, unabhängig zu denken und wirklich tief in ein Thema einzutauchen. Deep Work, also das „tiefe Arbeiten“, ist ein Gegensatzphänomen zum oberflächlichen Shallow Work; es ist andauernde und tiefe Konzentration mit unglaublichen Ergebnissen. Während wir den Lernprozess ins Internet verlagern, brauchen E-Learning-Kurse für maximalen Lernerfolg einen Deep Work-Ansatz.

Helena
Content Writer / Editor
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Aktualisiert am
Lesedauer 9 Minuten

Tief vs. oberflächlich – Deep Work vs. Shallow Work

Deep Work

Nur wer Deep Work lernt, wird sich von anderen abheben und die Spitze in seinem Gebiet erreichen

In seinem bekannten Buch definiert Cal Newport Deep Work als „berufliche Tätigkeiten, die in einem Zustand ablenkungsfreier Konzentration ausgeführt werden und die Ihre kognitiven Fähigkeiten an ihre Grenzen bringen. Diese Bemühungen schaffen neuen Wert, verbessern Ihre Fähigkeiten und lassen sich nur schwer replizieren [1].“

Laut Newport führe Deep Work zu mehr als nur persönlichem Gewinn, es habe auch echte Auswirkungen auf unsere Arbeit. Nur wer tiefe, d. h. intensive Arbeit lernt, wird sich von anderen abheben und die Spitze in seinem Gebiet erreichen. Leicht ist es aber nicht. Tiefe Arbeit strapaziert unsere kognitiven Fähigkeiten, das Handy bleibt aus und außerhalb der Reichweite. Für diese Art von Lernen ist unsere chronisch digitale Welt ist nicht gerade der richtige Ort. Wer Deep Work wählt, zeigt radikale Haltung gegenüber einer Kultur der Oberflächlichkeit.

Shallow Work

Das seichte, oberflächliche Arbeiten ist der Erzfeind von Deep Work. Und doch tun wir die meiste Zeit genau das. Über Shallow Work schreibt Newport in seinem Buch, es seien „kognitiv anspruchslose Aufgaben logistischer Art, die wir oft abgelenkt ausführen. Sie schaffen in der Regel wenig neuen Wert und lassen sich leicht replizieren.“ 

Unser Arbeitsplatz ist genau ausgelegt für diese Art oberflächlichen Arbeitstag. Man denke an die vielen E-Mails, die auf eine Antwort warten, an das immerwährende Ping-Ping interner Nachrichten. Intellektuelle Fähigkeiten oder besondere Konzentration fordern uns diese Aufgaben nicht ab. Und nach einem so verbrachten Arbeitstag bleiben Sie wahrscheinlich unzufrieden zurück. Für lange, komplexe Aufgaben müssen wir uns ungestört konzentrieren, wenn wir das Beste aus uns und unserem Unternehmen herausholen wollen. Mit anderen Worten: Wir müssen uns in Deep Work üben.    

Warum Lernende Deep Work brauchen

Für Deep Work müssen wir uns vor allem konzentrieren

Deep Work ist wesentlich für den Lernprozess. Sonst trudeln die Informationen zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Für Deep Work müssen wir uns vor allem konzentrieren, um uns voll und ganz auf den Lernstoff einzulassen. Nur so können wir wirklich zufrieden mit unserer Arbeit sein. Beschreiben wir es mit einer Gleichung:

Hochwertige Arbeit = aufgewendete Zeit x Konzentrationsintensität. [2]

 

Beispiel Bill Gates

Lernende müssen in ihre Arbeit eintauchen. Newport verweist gerne auf berühmte Persönlichkeiten, die sich mit Deep Work zum Erfolg katapultiert haben. Bill Gates hatte seine „Denkwochen", ein tolles Beispiel einer Struktur für tiefgründige Arbeit. Zweimal im Jahr schloss sich Bill Gates für eine Woche in einer Hütte im Wald ein. Dort widmete er sich jeden Tag etwa 18 Stunden lang ausschließlich seiner Arbeit. Diese Struktur half Gates, die Ideen zu entwickeln, die Microsoft zu dem Unternehmen gemacht haben, das es heute ist.    

Für Gates waren diese „Denkwochen“ ein unglaublicher Erfolg, für die meisten von uns aber undenkbar. Die Idee an sich können wir uns dennoch zu eigen machen: Einmal täglich ein Block ununterbrochener Konzentration ist der Weg zum persönlichen Wachstum, zu Produktivität und letztlich zu besseren Ergebnissen. Es müssen nicht unbedingt 18 Stunden am Tag sein, aber wir können unseren Konzentrationsmuskel mit der Zeit entwickeln. 

Deep Work trainiert den Konzentrationsmuskel

Es gibt im Allgemeinen zwei Arten von Konzentrationstypen: die einen tun sich schwer damit, eine Aufgabe zu beginnen, die anderen tun sich schwer damit, sich auf eine begonnene Aufgabe zu konzentrieren.

Konzentration braucht regelmäßiges Training

Wie jeder Muskel braucht Konzentration regelmäßiges Training. Künstliche Fristen helfen, weil sie ein Gefühl der Dringlichkeit vortäuschen, das motiviert uns, eine Aufgabe zu beginnen. Schließlich pressen wir die Aufgabe gerne in den verfügbaren Zeitrahmen. Nimmt man sich für eine Aufgabe eine halbe Stunde Zeit, wird man sie in dieser Zeit wahrscheinlich auch erledigen. Nimmt man sich dagegen einen ganzen Tag Zeit, ohne den Tag zu strukturieren, braucht man für die Aufgabe wahrscheinlich den ganzen Tag [3].  

Benachrichtigungen ausschalten hilft beim Training des Konzentrationsmuskels. Daran gewöhnt man sich schnell. Dann bleibt das Handy während einer wichtigen Aufgabe immer stumm und die internen Benachrichtigungen im Computer schlummern. Klingt eigentlich einfach oder? Das Training des Konzentrationsmuskels ist in Wirklichkeit sehr schwierig, aber eine Routine hilft. Wenn sie sich das nächste Mal konzentrieren müssen, versuchen Sie es mit den folgenden Schritten:   

  1. Schalten Sie Ihre Benachrichtigungen aus
  2. Legen Sie Ihr Handy außer Sichtweite
  3. Holen Sie sich alle notwendigen Informationen im Voraus
  4. Loggen Sie sich aus Ihrem internen Messenger aus
  5. Tauchen Sie tief in Ihre Arbeit ein

Wozu brauchen wir überhaupt einen trainierten Konzentrationsmuskel? Wie das Beispiel Bill Gates zeigt, führt tiefe Konzentration zu höherer Produktivität. Die Lernenden müssen sich intensiv und ohne Ablenkung mit dem Kursmaterial beschäftigen, um maximal von dem Lerninhalt zu profitieren. Und nicht nur das: Wer seine Konzentrationsfähigkeit trainiert, profitiert in allen Lebensbereichen. Es ist eine der nützlichen Fähigkeiten überhaupt.  

Das Argument Zufriedenheit

Wann ist eine Lernsitzung so richtig befriedigend? Denken Sie an Kunsthandwerk. Welches genau, ist nicht so wichtig, aber stellen Sie sich beispielsweise einen talentierten Goldschmied vor, wie viel Zeit, wie viel Mühe hat er in die Perfektion seines Handwerks gesteckt? Das ist einfach befriedigend. Kurz ausgedrückt: Wer sich für eine Aufgabe Zeit nimmt, ist am Ende viel eher stolz auf das Ergebnis. Wird man aber ständig unterbrochen, ist von Deep Work nicht zu sprechen, und die Lernenden gleiten schnell in die seichten Gewässer des Shallow Works.   

Nach einem Tag intensiver Arbeit kann man gar nicht anders als zufrieden mit sich sein. Die Zeit wurde sinnvoll einer Aufgabe gewidmet, es wurde ununterbrochen gelernt. Wir können Ihnen mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass Sie sich nach einem Tag voller E-Mails, nicht genauso befriedigt fühlen werden. 

E-Learning aber tiefgründig

Deep Work braucht Zeit, Hingabe und Motivation

Ein Tauchsprung ins Deep Work ist nicht einfach. Sie brauchen Zeit, Hingabe und Motivation. Das richtige Programm ist dabei eine gute Idee, denn das Programm gibt die Struktur vor und gibt den Anstoß, schlechte Gewohnheiten zu verlernen – die haben sich wahrscheinlich über Jahre hinweg angehäuft. Ohne Struktur halten Menschen eher an ihren bekannten Verhaltensweisen fest; Psychologen nennen das den „Default Bias“. [4] Unser Gehirn hasst es, erlerntes Verhalten zu ändern. Deshalb sind E-Learning-Programme besonders nützlich. E-Learning gibt einen zentralen Lernort, frei von Unterbrechungen und Ablenkungen. Da ist ein LMS für die Erstellung von Lerninhalt eine gute Idee. Mit einem LMS erhalten Lernende eine positive Deep Work-Erfahrung und können sich richtig gut mit dem Material auseinandersetzen. LMS haben mehrere wichtige Funktionen, die Deep Work ermöglichen [5]:       

Künstliche/echte Fristen

Wie schon im Absatz zum Thema Konzentration erläutert, schaffen künstliche Fristen ein Gefühl von Dringlichkeit. Ähnlich verhält es sich mit echten Fristen in Online-Kursen. Wenn der Fristtermin schon im Kursmaterial steht, müssen die Lernenden nicht mal kurz zum Handy greifen, um nach der Frist zu schauen. Alles ist schon im System mit Erinnerungsfunktion eingebaut.  

Ablenkungen beseitigen

Das Gute an einem Online-Kursprogramm ist, dass Sie die ganze Kontrolle haben. Sie können alles in Ihrer Macht tun, um Ablenkungen herausnehmen. Sie entscheiden, wie und wann Ihre Teilnehmer lernen. Sie können einen interessanten und unterhaltsamen Kurs erstellen, der Ihre Teilnehmer bei der Stange hält. Denken Sie an eine Kursseite mit nur einem Video zu einem Thema, keine Logos, keine Timer, keine Navigation. Die gesamte Bildschirmfläche nur zum Lernen. Die Augen des Lernenden schweifen nicht zum Text oder zu den Bildern ab, der ganze Fokus liegt auf dem Video. Und dann prüfen Quizfragen auf der nächsten Folie, wie gut sie aufgepasst haben 😉.     

Nur sinnvolle Ziele verfolgen

Bevor sie einen neuen Kurs erstellen, müssen Sie sich Ziele setzen. Allgemeine Ziele oder persönliche Ziele. Das könnten zum Beispiel Lernziele für alle Kurse sein.

Die Forschung zeigt: Wir büßen 20 % unserer Produktivität ein, wenn wir den Kontext wechseln. Sie müssen also von Anfang an wissen, was Ihre Lernenden erreichen sollen. 

In eine Routine gleiten

Am besten lernen wir, wenn wir wissen, was als nächstes kommt. Also planen Sie Konzentrationsblöcke für Deep Work ein. Programme zum Erstellen von Online-Kursen helfen, weil Sie dort Lernaufgaben in oberflächliche und tiefgründige Arbeit aufteilen können.  

Zum Beispiel gibt es Themen, die leicht zu verstehen sind, diese können sie zusammen gruppieren, so dass Lernenden wissen, was sie erwartet und sich auf oberflächliche Arbeit einstellen.

Erstellen Sie aber einen Kurs zu komplexen Themen, können Sie Ihren Inhalt so gestalten, dass er vertieftes Arbeiten unterstützt. Denken Sie dabei an weniger Unterbrechungen für Quiz und längere Aufgaben, die das Wissen bewerten.

Diese Themenaufteilung in tiefe und oberflächliche Arbeit, hilft den Lernenden, denn dann wissen sie, was sie von dem Kurs erwarten können, welchen Kurs sie am besten in einem Konzentrationstief absolvieren und welcher Kurs für einen ausgeruhten Konzentrationsmuskel genau richtig ist.

Es ist nicht einfach und erfordert Training, aber der Tauchgang in Deep Work ist in unserer Welt voller Ablenkungen die beste Lösung. Erstellen Sie Online-Kurse mit Fokus auf Deep Work und holen Sie immer garantiert das Beste aus Ihren Lernenden heraus.

Nützliche Links

  1. Deep work: Rules for Focused Success in a Distracted World by Cal Newport (2016)
  2. YouTube
  3. YouTube
  4. The Decision Lab
  5. Sama

FAQ: Häufig gestellte Fragen

  • Was ist Deep Work?
    Deep Work ist ein tiefgründiger Arbeitsstil, bei dem es darum geht, sich lange Zeit auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Er erfordert Selbstdisziplin und Konzentration, aber das Ergebnis sind Produktivität und Zufriedenheit.
  • Was ist Shallow Work?
    Shallow Work ist das Gegenteil von Deep Work. Die Arbeitswelt ist für diese Art von Arbeit ausgelegt. Denken Sie an die Kultur von endlosen E-Mails und internen Nachrichten, die sich zwischen Ihre Hauptaufgaben schieben. Shallow Work führt zu weniger Arbeitszufriedenheit und weniger Produktivität als Deep Work.
  • Warum ist Deep Work wesentlich für das Lernen?
    Deep Work ist notwendig für effektives Arbeiten. Viele erfolgreiche Menschen holen mit dieser Methode das Beste aus sich heraus. Lernen erfordert Konzentration und Deep Work heißt intensive Konzentration auf eine einzige Aufgabe.